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Die Schweinezucht in der Bretagne

Frankreich ist nach den USA der zweitgrößte Exporteur von Lebensmitteln weltweit. Allein die Bretagne würde ausreichen, um ganz Frankreich zu ernähren. In der Bretagne wurden im Jahr 2017 56% der Schweine des Landes von rund 3.500 bretonischen Züchtern mit durchschnittlich 200 bis 300 Sauen aufgezogen.

Sicherlich eine viel zu hohe Anzahl, was durch die hauptsächlich aufgrund tierischer Exkremente entstandene Problematik der Grünalgen, die vor allem an der Nordküste in der Bucht von Morlaix sehr präsent sind, belegt wird. Diese intensive Tierhaltung hat direkte und indirekte Auswirkungen auf die Umwelt.

Die Schweinezucht hat in der Bretagne eine lange Tradition.... Lesen Sie nachstehend den Erfahrungsbericht von Jean Guillermou, seit 1959 Züchter in Gouesnac'h, der heute seit längerer Zeit im Ruhestand ist.

Das Video unseres Partners St Thomas TV zeigt den Besuch auf einem äußerst modernen, ökologischen Bauernhof, erläutert die derzeitigen Bedingungen der Aufzucht und beschreibt die Entwicklung dieser Tätigkeit, deren unvergleichliches Know-how von den Bretonen seit Generationen gepflegt wird.


SaintThomasTV / Chaine Vimeo



Heutzutage spielt außerdem der Tierschutz eine wichtige Rolle. Frankreich unterscheidet sich durch kleinere Betriebe von anderen Ländern und produziert 1,9 Millionen Tonnen Schweinefleisch. Damit liegt Frankreich hinter Spanien mit 3,9 Millionen Tonnen, wohingegen die Großbetriebe in Deutschland im Jahr 2015 5,5 Millionen Tonnen Schweinefleisch produzierten. Der Kilopreis in Europa lag im November 2017 zwischen 1,03 und 1,45 €.

Die Schweinezucht hat oft unter einem schlechten Image bei den Verbrauchern zu leiden, und die Landwirte unternehmen zahlreiche Anstrengungen, um besser auf die Bedürfnisse der  Tiere einzugehen. Dazu gehören beispielsweise der Verzicht auf die systematische Kastration von Ferkeln und die Reduzierung von Antibiotika. Dieser Trend hat eine Weiterentwicklung der ökologischen Schweinehaltung zur Folge, die heute noch teuer und neu, aber zukunftsträchtig ist, auch für den Export.

Denn Schweinefleisch ist ein weltweites Produkt, das nicht nur dem Finanzmarkt unterliegt, sondern auch ein Lebensmittel für den Verzehr ist und damit den Praktiken der Händler  unterliegt. Es sind vor allem die Chinesen, die das Preisgefüge bestimmen, indem sie mehr oder weniger Schweinefleisch in Europa kaufen. Die bretonischen Züchter müssen investieren, um ihre Betriebe zu modernisieren und in diesem weltweiten Wettbewerb präsent zu bleiben, indem sie der Qualität eine hohe Priorität einräumen!

Philippe.



Das Leben eines Schweinezüchters in Gouesnac’h im Süd-Finistère.

1957

Ich kehre aus Algerien zurück, mit dem sich Frankreich im Kriegszustand befindet. Ich bin Fallschirmjäger, 23 Jahre alt, und meine Eltern betreiben einen Bauernhof in Gouesnac'h, im südlichen Finistère. Mein Vater ist krank, und so übernehme ich schnell die Führung des Familienbauernhofs. Zusätzlich zur Feldarbeit auf 25 Hektar betreibe ich weiterhin die traditionelle gemischte Tierhaltung (d.h.: Pferde, Kühe, Hühner und Kaninchen sowie Schweine).

Im Schweinestall füttere ich weiterhin unsere vier Sauen mit Produkten vom Hof. Eine Sau produziert eineinhalb Würfe pro Jahr, d.h. etwa 6 bis 7 von der Sau entwöhnte Ferkel, die auf dem Hof gemästet werden.

Jeden Samstag verkaufe ich auf dem Markt von Quimper einen Teil meiner Ferkel, der andere Teil wird an einen Vertreter verkauft, der damals von den Konservenfabriken Hénaff und Jaouen verpflichtet wurde. Wir behalten 2 oder 3 Schweine für unseren Eigenverbrauch.



 
                      Hénaff le porc Breton



1960 – 1966

Ich erweitere meine Schweinehaltung und züchte Schweine im Freien, mit 13 komfortablen "Mutterschaftshütten", die für Sauen gebaut sind und sich über 1 Hektar erstrecken. Die Zucht ist revolutionär und ich habe 18 entwöhnte Ferkel pro Jahr und pro Sau, mit dem Abferkeln der Sauen in Gruppen. Der Sommer ist toll, aber der Winter ist hart. Damals nahm ich an Informationstreffen teil und unternahm Studienreisen nach Holland und England.

Mein Ziel ist es, mich nur auf die Schweinezucht zu spezialisieren, Züchter zu werden, zu mästen und auch einen Familienbetrieb auf menschlicher Ebene zu führen sowie weiterhin nur zu zweit zu arbeiten.

1970

Ich schaffe die Rinderhaltung ab und ich erhöhe erheblich die Anzahl meiner Sauen, für die ich die geeigneten Gebäude bauen lasse. Diese verfügen über eine sehr ausgeklügelte Verteilung der Boxen "Mutterschaft" und Bereiche mit Gitterrosten für die "trächtigen" Sauen.

Für meinen äußerst funktionellen Vorzeige-Schweinestall kaufe ich Vollfutter von COPASUD, einer Vereinigung von Schweinezüchtern, mit denen ich zusammenarbeite.

Allerdings kann ich mein Ferkelmastprojekt nicht abschließen, da es Umweltprobleme gibt weil die Trinkwasserversorgung für Bénodet nur 50 Meter von meinem Schweinestall entfernt ist!

So werden jede Woche entwöhnte Ferkel mit einem Gewicht von 22 bis 25 kg abgeholt und an einen COPASUD-Mäster verkauft.

1980 – 1990

Ich habe jetzt 90 bis 100 Sauen und für diese 3 Eber aufgrund ihrer Deckleistungen ausgewählt. Die Zucht wird ebenso konstant wie permanent überwacht. Dennoch bleibt die Zucht ein Familienbetrieb von überschaubarer Größe, wie ich es mir gewünscht habe. Und dieses Konzept erweist sich als effizient.

Meine Frau und ich führen unsere Zucht gemeinsam, und auch meine Kinder werden mit altersgerechten Aufgaben betraut.

Kurzum, mein Betrieb ist funktionell und die Arbeit dadurch erleichtert. Ich habe ein ausreichendes Gehalt und mein Einkommen ist regelmäßig, so dass ich meiner Familie ein angemessenes Leben bieten kann.

In den 80er und 90er Jahren wurden die Schweinepreise auf europäischer Ebene ausgehandelt und blieben relativ stabil. Heute werden die Schweinefleischpreise weltweit ausgehandelt und sind an der Börse notiert.

1993

Aufteilung der Familiengüter, ich verkaufe nach und nach meine Sauen, so ist das Leben!

1995

Ende meiner betrieblichen Tätigkeit, ich kann mit 60 in Rente gehen.


Jean Guillermou


Jean Guillermou.