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Das Keltentum: Eine Kultur zwischen Tradition und Erneuerung


Die Bretagne ist eine keltische Region – So weit, so gut. Aber was bedeutet das konkret? Mit der keltischen Kultur verbinden sich sicher für jeden von uns bestimmte Bilder, Legenden und Klänge aber es ist schwierig zu beschreiben in welcher Beziehung diese speziell mit der Bretagne stehen. Was ist keltisch und was ist bretonisch? Historisch, geographisch und kulturell wird hier eine Menge durcheinander geworfen, was durch Werke wie die Abenteuer des Asterix mit seinem Dorf unbeugsamer Gallier noch verstärkt wird, das sich gleichfalls in der Bretagne befindet. In diesen Geschichten tauchen Menhire und Dolmen als Teil des Alltags der Bewohner der Atlantikküste auf. Tatsächlich wurden Menhire und Dolmen aber überall in Europa gefunden und stammen mitnichten aus der gallo-römischen Zeit sondern schon aus der neolithischen Periode mehrere tausend Jahre vorher. Aus zeitgeschichtlicher und geographischer Perspektive lassen sich daher die Ursprünge des Keltentums nicht ganz eindeutig zuordnen. Nach heutigem Verständnis werden dem keltischen Kulturraum neben der Bretagne auch Teile der britischen Inseln, nämlich Irland, Schottland, Wales und Cornwall zugerechnet. Der Grund ist, dass sich in diesen Regionen die keltische Sprache gehalten hat, während sie in anderen europäischen Regionen von den sich ausbreitenden Römern und dann den ‚Barbaren‘ zu Beginn des ersten Jahrtausends verdrängt wurde.


Es ist nicht gesichert wann die ersten Kelten in der Geschichte auftauchten. Oft werden die Hallstatt-Zivilisation (zwischen dem 14ten und dem 5ten Jahrhundert v. Chr.) und die La Tène-Zivilisation (vom 5ten bis 1ten Jahrhundert v. Chr.) aus der Bronzezeit, die sich nördlich der Alpen entwickelten, als der Ursprung des Keltentums gesehen. Weitgehend angenommen wird, dass sich bis zum Eisenzeitalter die Kultur der Kelten westlich bis zur Atlantikküste und östlich bis an den Rand Europas ausgebreitet hatte. Die antiken griechischen Schriftsteller Hecataeus und Herodotus sowie später dann auch Pytheas verorteten die Kelten dagegen nur im westlichen Teil Europas. Noch später sah Cäsar ihr Siedlungsgebiet zwischen den Flüssen Garonne und Seine. Auf jeden Fall waren aber die britischen Inseln seit Beginn des ersten Jahrtausends v. Chr. keltisch. Zur Zeit der römischen Eroberung waren diese weniger unter Druck als andere Regionen Europas, so dass die keltische Kultur sich behaupten konnte. Später ließen sich die Einwohner des heutigen Großbritannien auch in Aremorica nieder und gründeten so die Bretagne. Dies erklärt, warum Großbritannien und die Bretagne die einzigen Regionen sind, die heute stark mit dem Keltentum assoziiert werden, auch wenn es Zeugnisse von den Kelten in ganz Europa gibt. Keltische Sprachidiome wie das Bretonische, das Gälische, das Walisisch und das Kornische haben in diesen Gegenden überlebt und erst in jüngerer Vergangenheit an Bedeutung verloren. Auch in Galizien in Spanien hat der Aufenthalt der Kelten mit archäologischen Funden und bestimmten (vor allem musikalischen) Traditionen seine Spuren hinterlassen, diese werden allerdings nur "inoffiziell" berücksichtigt, da in dieser Region keine Spur von keltischer Sprache nachgewiesen wurde.




Arbres de la forêt Celtique




Heute sind die keltischen Sprachen sogar vom Aussterben bedroht, denn die Iren sprechen fast nur noch Englisch und die Bretonen Französisch. Trotzdem schätzen die Menschen in diesen Regionen ihre keltische Herkunft und fühlen sich mit ihr in einer speziellen Weise in der Geschichte verwurzelt. Die keltische Kunst verbreitete sich in Europa im ersten Jahrtausend vor Christus und ihre typischen Motive wie die S-Formen und die Triskeles sind eng mit der Bretagne und Großbritannien verbunden und werden von den Nachbarn dieser Regionen auch direkt mit diesen assoziiert. Viele Leute tragen mit diesen Motiven verzierte Anhänger oder Ringe, die es in bretonischen Boutiquen zu kaufen gibt. Das Phänomen, seine bretonische Identität herauszustellen obwohl die Sprache eigentlich kaum noch gesprochen wird, erscheint als Bedürfnis zu seinen Wurzeln zurückzukehren und damit seine Einzigartigkeit zu unterstreichen. Insofern gibt es auch enge Bande zwischen den keltischen Regionen Westeuropas, die in vielen Städtepartnerschaften zwischen der Bretagne und Großbritannien ihren Ausdruck findet.


Jedoch geht es nicht nur darum, einfach eine keltische Identität zu zeigen, sondern auch darum, die ursprüngliche und faszinierende keltische Kultur zu bewahren. Keltische Mythen und Traditionen sind faszinierend, wenn man nur einmal an das Druidentum oder die Sagen von König Arthur denkt, die ebenso geheimnisvoll wirken wie die großen Steinmonumente, die majestätisch und still in grünen Landschaften stehen. Die neolithischen Megalithen (Dolmen, Stelen und Menhire) als Ausdruck der keltischen Kultur wurden vermutlich in Zeremonien der Druiden genutzt. Die berühmtesten von ihnen sind in Stonehenge in England und in Carnac im Department Morbihan in der Bretagne. Bis heute halten Gruppen von Neo-Druiden diese naturverbundenen Traditionen hoch, die in den keltischen Regionen weitverbreitet sind. Die Natur spielt in den Ritualen der Druiden eine zentrale Rolle, in denen Pflanzen für medizinische Zwecke aber auch als Opfergaben genutzt werden wie z.B. die Mistelzweige, die von Eichen geerntet werden (und natürlich auch von dem Druiden in Asterix‘ Dorf genutzt wurden). Auch die Elemente spielen im Druidentum z.B. in Form reinigenden Wassers, heiligen Feuers oder unsichtbar machendem Nebels eine wichtige Rolle.




Nymphe de la forêt

 


Ebenso wie das Druidentum durch das Neo-Druidentum lebendig gehalten wird, bleibt das Keltentum auch im größeren Rahmen durch zeitgenössische Events erhalten. Eines ist das Festival Interceltique in Lorient im Department Morbihan, das jeden Sommer um die 350.000 Besucher zählt. Es fand dieses Jahr vom 3. bis 12. August statt mit dem Land Wales als Ehrengast. In dieser Weise bleibt die Tradition und Einzigartigkeit der keltischen Kultur lebendig und anziehend.

Shérine Taia